Zum Punsch…

Liebe Wienfreunde!

Im Advent finden sich auf zahlreichen Weihnachtsmärkten in Wien Punschstände, die um trinkfreudige Kunden buhlen. Schon Friedrich Schiller hat dem süßen, vorweihnachtlichen Getränk ein Gedicht gewidmet:

Das Punschlied

Vier Elemente,

innig gesellt,

bilden das Leben,

bauen die Welt.

 

Presst der Zitrone

saftigen Stern,

herb ist des Lebens

innerster Kern.

 

Jetzt mit des Zuckers

linderndem Saft

zähmet die herbe

brennende Kraft,

 

gießet des Wassers

sprudelnden Schwall,

Wasser umfänget

ruhig das All.

 

Tropfen des Geistes

Gießet hinein,

Leben dem Leben

gibt er allein.

 

Eh es verdüftet,

schöpfet es schnell,

nur wenn er glühet,

labet der Quell.

 

Ganz andere Gedanken hat da ein Wiener zu dem polarisierenden Getränk:

 

Im Winter find ich keine Ruh, bevor ich nicht was Gutes tu.

Es gibt viel Not auf dieser Welt, am besten hilft man da mit Geld.

Nicht mit dem Zahlschein auf der Bank, es gibt was Bess’res, Gott sei Dank.

Damit das Helfen mich auch freut, hab ich für einen Rundgang Zeit.

Jetzt, im Advent, an allen Ecken, kann man den Punsch schon förmlich schmecken,

der heiß und süß und parfümiert, zum Wohl der And’ren ‚trunken wird.

Im Namen Allahs geh ich’s an….

Ich spende für Afghanistan, dann einen für die armen Kinder und für die ganz, ganz armen Inder.

Ich denk an die Malteser Ritter, denn deren Leiden ist recht bitter.

Beim Stand vom „Lions Club“ am Graben kann ich mich für Rumänien laben

und bitte nicht zu vergessen, die haben beinah nichts zu essen.

Als nächstes hebe ich mein Glas „Rasch für die liebe Caritas“. Fürs Rote Kreuz und für die Gruft mit Zimt und mit Holunder-Duft.

Ich merke deutlich „Gute Werke“ erfordern sehr viel Kraft und Stärke.

Ein Punsch noch rasch für die Partei, als Wechselwähler trink ich zwei.

Dort steht der Herr Bezirksvorsteher, bei einem Punsch kommt man sich näher.

Fürs Kinderdorf, für Kommunisten, für Asylanten, Terroristen.

Für Hungernde im fernen China, und für die Araber, in Palästina.

Wer Gutes tut, hat immer Recht. Ein Punsch noch und dann wird mir schlecht.

Doch ehe ich nach Hause schunkel, trink ich noch rasch für „Licht ins Dunkel“.

Ich kann die Häferl nicht mehr zählen, jedoch ich muss mich weiterquälen

am Stephansplatz werd ich ganz fromm und trink noch für den Stephansdom.

Spätabends ladet mich wer ein zu Punsch und Keks bei Kerzenschein.

Doch bitte nicht mit leeren Händen. Du kannst ja für die Armen spenden.

Am Sonntag dann, in meiner Pfarr, wird sicher auch der Punsch nicht gar.

Das Geld für das, was uns so schmeckt, wird noch in die Renovierung g’steckt.

So trink ich mich durch den Advent, ein Wahnsinn, was man dafür brennt.

Doch ist das letzte Geld auch weg, ich tu’s für einen guten Zweck.

Ich bin ein hoffnungsloser Säufer, und Schuld sind nur die Punsch-Verkäufer.

Den Punsch kann ich schon nicht mehr sehen und lass ihn zu Silvester stehen.

Ich habe nur noch einen Wunsch: Ich trinke alles, nur kan Punsch.

Den Nächsten gibt es, das ist klar, erst im Advent im nächsten Jahr.

Sollten Sie zu den Punschfans gehören, Prost!

Noch einen stressfreien Advent wünscht Euch Eure Sandra!

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