Woher hat die Stadt Wien ihren Namen?

Wieso heißt Wien eigentlich Wien?

Falls einem gleich Vindobona in den Sinn kommt – falsch getippt. Wahrscheinlich geht Wien auf Wenia und damit auf das kelto-romanische Vedunia zurück. Das Wort bezieht sich auf einen „Waldbach“, womit der Wienfluss gemeint ist.

Der Name der Stadt kommt also vom gleichnamigen Fluss Wien, dessen Ursprung sich in Pressbaum, im Westen der Stadt, befindet. Dort fließen die Dürre und die Kalte Wien zusammen und ab hier bahnt sich der Wienfluss seinen Weg bis zum Donaukanal. Zahlreiche Bäche entwässern in die Wien auf dem Weg zu ihrer Mündung, so zB der Tullnerbach, der Mauerbach, der Halterbach, der Rosenbach, der Ameisbach, das Rotwasser, der Dambach, der Hirschenbach und der Lainzerbach. Vom Kaiserbrünndl bis zum Donaukanal bei der Urania sind es etwa 34 km, wovon sich 16 km auf Wiener Stadtgebiet befinden. Man hat den Fluss teilweise in ein künstliches Bachbett gezwängt, ihn gar überplattet, dennoch gilt er auch heute noch als Wildwasser. Die Böden in den Einzugsgebieten sind überwiegend wasserundurchlässig – daher kann dieses Rinnsal innerhalb von kurzer Zeit zu einem reißenden Strom werden.

Schon auf dem ältesten Plan Wiens, dem Albertinischen Plan aus dem Jahr 1421 zeigt den Fluss außerhalb der Stadtmauern. Auch auf dem Altarbild des Schottenmeisters um 1470 sieht man die Wien abgebildet.

Heute verbindet man Wien eher mit der Donau als mit dem Wienfluss, früher war dies allerdings genau umgekehrt. Die Donau lag weit vor den Toren Wiens und der Wienfluss war einer der Mittelpunkte des täglichen Lebens. Hier hat man bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts gefischt, seine Wäsche gewaschen, die Tiere weiden lassen und an gewissen Stellen hat man die Pferde gekühlt und gereinigt. Für Erholungssuchende und Kinder war der Wienfluss ein kleine Oase unweit der Stadt.

Im 18. Jahrhundert hat man begonnen, den Fluss zu verbauen und die Gestalt des Flusses zu verändern. Immer mehr Siedlungen und Betriebe haben sich an seinem Verlauf angesiedelt und der Fluss wurde wichtiger Wasserlieferant. Gleichzeitig musste er auch alles abtransportieren, was die Menschen nicht haben wollten. Um 1830 hat etwa ein Drittel der Häuser und Betriebe innerhalb des Linienwalls (Teile des heutigen Gürtels) in die Wien entwässert. Zu dieser Zeit hat sich auch ein stärkeres Bewusstsein für Hygiene und Schmutz und damit verbundenen Krankheiten entwickelt. Trotzdem sind einige schöne Bauten entstanden, etwa die Karlskirche oder das Gebäude des Musikvereins. Einerseits hatte der Fluss einen großen Freizeitwert – wie man an zahlreichen Freibädern entlang seines Verlaufs festmachen kann, andererseits stand er für Gestank und Unreinheit. Außerhalb des Wienerwaldes hat man den Fluss daher reguliert und ihn praktisch unzugänglich gemacht. Vor allem im Bereich des Karlsplatzes vergisst man leicht seine Existenz, fließt er doch hier mittlerweile komplett unterirdisch. So ist auch eine Stadt im Untergrund entstanden, ein Versteck für Obdachlose und Kriminelle. Ikonenhaft steht der Fluss hier für das Unterirdische Wien – weltberühmt durch eine Szene des Filmklassikers „Der Dritte Mann“.

Albrecht Graf Wickenburg hat im Jahr 1897 folgendes Abschiedsgedicht über den Wienfluss verfasst:

Du kamst herunter vom Wienerwald,

die reinste Unschuld vom Lande –

die Großstadt hat dich verdorben bald,

und schämt sich nun deiner Schande.

Leb wohl mein Flüsslein, und füg dich still

Sie wollen Alt-Wien nicht mehr haben,

und weil’s halt gar nicht sterben will,

so muss man’s lebendig begraben.

Ganz so schlimm steht’s um den Fluss dann doch wieder nicht, hat man doch über weite Strecken einen Radweg geschaffen, der einige attraktive Grünräume miteinander verbindet. Man hat den Hochwasserschutz ausgebaut und Teile renaturiert. Und selbst im unterirdischen Teil hat man guten Nutzen aus dem Fluss gezogen – heute kann man sich auf die Spuren des „Dritten Mannes“ im Rahmen einer geführten Tour begeben.


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