Amsterdam Gracht

Sprichwörter

Liebe Wienfreunde!

Pieter Bruegel war ein äußerst fantasievoller Maler und Zeichner des 16. Jahrhunderts in Antwerpen und Brüssel. Er hat sowohl symbolträchtige Landschaften, als auch religiöse Bilder und Zeichnungen gemalt und ist berühmt für seine Volkstümlichkeit. Man sagt, er hat die Genremalerei begründet, er zeichnet früher als viele andere Szenen aus dem täglichen Leben einfacher Leute, was ihm auch den Spitznamen „Bauernbruegel“ eingebracht hat. Zu seinen berühmtesten Werken gehören wohl der Turmbau zu Babel, eine Version des Bildes gehört zur permanenten Kollektion des Kunsthistorischen Museums Wien, oder auch der Jahreszeitenzyklus, von dem ein Bild gänzlich verschollen ist.

Passend zur Bruegelausstellung, die noch bis 13. Jänner 2019 im Kunsthistorischen Museum zu sehen ist, möchte ich einige niederländische Sprichwörter herausgreifen, die Pieter Bruegel auch in seinem Werk „Die niederländischen Sprichwörter“ verarbeitet hat. Vielleicht kommt Ihnen ja das eine oder andere bekannt vor?

Er sieht durch die Finger – meint er schaut nicht genau hin, weil er auf jeden Fall den Nutzen hat.

Da stehen Holzschuhe – meint vergeblich auf etwas warten.

Sie haben einander an der Nase – meint sie betrügen einander.

Die Würfel sind gefallen – meint es ist entschieden.

Die Narren bekommen die besten Karten.

Lass ein Ei im Nest – meint halte etwas in Reserve und gibt nicht alles auf einmal aus.

Er pisst gegen den Mond – meint er strengt sich an, etwas Unmögliches zu erreichen.

Er hat gegen den Mond gepisst – meint sein Unternehmen ist gescheitert.

Den Narren ohne Seife barbieren – meint jemanden betrügen.

Zwei Narren stecken unter einer Kappe – meint Torheit liebt Gesellschaft.

Sie kann sogar den Teufel aufs Kissen binden – meint boshafte Starrköpfigkeit überwindet selbst den Teufel.

Sie trägt Feuer in der einen, doch Wasser in der anderen Hand oder er spricht aus zwei Mündern – meint sie/er ist unaufrichtig und doppelzüngig.

Auf glühenden Kohlen sitzen – meint angstvoll und voller Ungeduld sein.

Er hängt zwischen Himmel und Erde – meint er hat sich in eine missliche Lage gebracht und weiß nicht, wie er entscheiden soll.

Wer seinen Brei verschüttet hat, kann nicht alles wieder einsammeln – meint ein angerichteter Schaden ist nicht wieder gut zu machen.

Die großen Fische fressen die Kleinen (in der Natur, aber auch in der Wirtschaft!)

An den Federn erkennt man den Vogel.

Wo Aas ist, fliegen Krähen.

Nimmt das Korn ab, so nimmt das Schwein zu – meint was für den einen ein Nachteil ist, nützt dem anderen.

In besagtem Bild hat man insgesamt etwa 120(!) Sprichwörter identifiziert. Bruegels Bilder haben eine Menge Details und spannende Einzelheiten zu entdecken. In diesem Sinne viel Spaß beim Besuch der Ausstellung im KHM Wien.

Eure Sandra

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