Äskulapnatter im Apothekersymbol

Ein täglicher Begleiter….Elaphe longissima

Liebe Reisefreunde!

Auch wenn sie einem nicht bewusst auffällt: Sind wir in der Stadt unterwegs begegnet sie uns täglich – und auch am Land mag man sie antreffen: im Komposthaufen oder einfach in freier Natur – die Äskulapnatter, oder auch zamenis longissimus.

Wenn Sie sich jetzt fragen, wo finde ich diese größte von 6 Schlangenarten in Österreich in der Stadt – nun, an jeder Apotheke – immerhin ziert sie das Apothekersymbol, das eine jede Apotheke kenntlich macht.

Warum?

Asklepios (auch Äskulap genannt) ist der Gott der Heilkunde in der griechischen Mythologie. Dargestellt wird er häufig mit einem Stab, um den sich eine Schlange, die sogenannte Äskulapnatter, windet. Heute ist der Äskulapstab Symbol für den ärztlichen Beruf.

Im Apotheken-A windet sich die Schlange um einen Kelch. Dabei handelt es sich um die Schale der Hygieia. Diese ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Gesundheit und gilt als Schutzpatronin der Apotheker. Auch das Wort Hygiene wird vom Namen der Göttin abgeleitet. Dargestellt wird Hygieia meist mit einer aus einer Schale trinkenden Schlange. Da Hygieia eine Tochter von Asklepios ist, liegt es nahe, dass es sich hierbei wieder um die Äskulapnatter handelt. Hygieias Schale ist mit reinem Wasser oder Nahrung gefüllt und soll Gesundheit symbolisieren. Damit kann man argumentieren, dass es sich bei der Schale im Apotheken-A eher nicht um eine Waagschale oder – in Anbetracht der toxischen Substanzen, mit denen Apotheker zu tun haben – um einen Giftkelch handelt. In die heutige Zeit würde diese Interpretation auch viel besser passen. Apotheken sollten doch als Ort der Gesundheit wahrgenommen werden.

Wissenswertes über die Äskulapnatter

Sie gehört zu den Kletternattern und ist vollkommen harmlos und ungefährlich. Sie ist wie schon erwähnt die größte der sechs in Österreich vorkommenden Schlangenarten. Die kräftige und dennoch schlank wirkende Natter kann eine Länge von über 2 Metern erreichen, ist meist jedoch unter 1,50 m lang. Der Kopf mit der abgerundeten Schnauze ist schmal, relativ klein und ist vom Halsbereich leicht abgesetzt. Die Kopfoberseite ist zeichnungslos und oft reicht ein dunkles Schläfenband vom Auge zum Hals. Die Augen sind relativ groß mit runden Pupillen.

Die Grundfarbe der Körperoberseite ist meist einfärbig gelbbraun, olivfarben, braun bis schwarzbraun. Der Kopf- und Halsbereich ist häufig heller als der übrige Körper. Die Bauchseite ist blassgelb bis zitronengelb. Die Körperschuppen sind glatt und glänzend. Zahlreiche Rücken- und Flankenschuppen sind durch weiße Ränder ausgezeichnet, wodurch eine leichte längsgerichtete Strichelzeichnung entsteht. Die breiten Bauchschilder reichen beiderseits bis auf die Flanke und haben einen schwach ausgeprägten Kiel (Kletterhilfe), sodass bei einer am Boden liegenden Schlange ein gelber Längsstreifen zu sehen ist. Die Jungtiere sind auffälliger gezeichnet mit großen, dunklen Flecken am Rücken, dunkler Querbinde über der Schnauze und beiderseits hellgelben Nackenflecken (ähnlich der Ringelnatter). Äskulapnattern sind auch gute Schwimmer.

Sie ernähren sich vorwiegend von Mäusen, Ratten, Maulwürfen, Vogeleiern, Jungvögeln und Eidechsen. Die erfasste Beute wird erdrosselt und in der Regel mit dem Kopf voran verschlungen. Eine ausgewachsene Äskulapnatter kann während einer Aktivitätsperiode bis zu 70 Beutetiere verzehren.

Die Paarung findet im Mai oder Juni statt. Werben zwei Männchen um ein paarungswilliges Weibchen, so kann es zu einem Kräftemessen (Kommentkampf) zwischen den Männchen kommen, bei dem die Kontrahenten sich mit den Hinterkörpern und Schwänzen umschlingen und versuchen den Kopf des gegnerischen Männchens herunterzudrücken. Der Kampf endet mit der Flucht des unterlegen Männchens. Die Paarung wird mit Wangenreiben und Nackenbiss durch das Männchen eingeleitet.

Die Eiablage findet in den Monaten Juni und Juli statt und ein Gelege enthält in der Regel 2-11 Eier, kann allerdings stark variieren je nach Klima, Ernährungszustand und Futterangebot. Der im Vergleich zu ausgewachsenen Tieren auffälliger gekennzeichnete und heller gefärbte Nachwuchs schlüpft im August und September. Anhand der Eischalen kann später hochgerechnet werden, wie viele Jungtiere geschlüpft sind. Das gibt den Wissenschaftlern einen Hinweis auf den Bestand der Population.

Verbreitung in Österreich

In Österreich ist die Äskulapnatter im zentralen und östlichen Teil des Landes nördlich und südlich der Alpen recht weit verbreitet und kommt in allen Bundesländern außer Vorarlberg vor, wobei der isolierte Fund aus Nordtirol erst aus der jüngeren Vergangenheit stammt. Die grenznahen Populationen in Salzburg, Oberösterreich und im nördlichen Niederösterreich bilden die Nordgrenze des geschlossenen europäischen Verbreitungsgebietes.

Die saisonale Aktivitätsperiode kann bei günstigen Witterungsbedingungen mit Ende März einsetzen, meistens jedoch erst im April und endet mit Anfang November. Die Aktivität der Jungtiere ist zeitlich etwas verzögert. Die Hauptaktivitätsperiode liegt in der Zeit von Mai bis Juni, abhängig von der Höhenlage. Während dieser Zeit findet auch die Paarung und der Hauptanteil des Beuteerwerbs statt. Die Äskulapnatter ist überwiegend eine tagaktive Schlange die vor allem bei sonnigen oder wechselhaften Wettern und bei höherer Luftfeuchtigkeit beobachtet werden kann. Unter heißen Bedingungen im Hochsommer können die Schlangen auch während der Dämmerung gesichtet werden. Unter windigen Witterungsverhältnissen verlassen die Schlangen ihre Verstecke selten. Zamenis longissimus gilt allgemein als ortstreu. Besonders Männchen können aber während der Paarungszeit, Wanderungen von mehreren hundert Metern, bei einer Wandergeschwindigeit von 2-8 m/min, zurücklegen. Bei Gefahr flüchten die Schlangen meist hangaufwärts in Büsche aber auch auf Bäume.

Die Äskulapnatter ist durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Anhang IV) EU-weit geschützt und wird in den Roten Listen der einzelnen Bundesländer zu meist als „gefährdet“ eingestuft. Gefährdungsursachen sind vor allem landwirtschaftliche Intensivierungsmaßnahmen, die eine allgemeine Verschlechterung der Lebensräume, weniger Nahrung und knapper werdende Eiablageplätze sowie Überwinterungsquartiere bewirken.

Wieder was gelernt…

Eure SaFu

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