Der Traum vom Fliegen II…

Liebe Reisefreunde!

Heute steigen wir mit einer Selbstverständlichkeit in Flugzeuge, die uns die Welt zu Füßen legen und nahezu jeden Ort in kurzer Zeit erreichen lassen.

Das war nicht immer so, Reisen gestaltete sich mühsam in früheren Zeiten. Umso größer war wohl die Sehnsucht fliegen zu können.

Der Traum des Menschen, das leichteste, ja beinah nicht faßbare Element, die Luft erobern zu können, findet sich bereits in der griechischen Sage des Ikarus. Er hat sich nicht verloren bis die Menschen der Renaissance ihr Selbstbewusstsein wiedergefunden und ihn erneuert haben. Leonardo hat mit Genialität die alten Ideen wiederaufgegriffen. So hat er die Überzeugung geäußert, dass „der Mensch mit seinen Vorrichtungen und großen Flügeln, indem er gegen den Luftwiderstand anarbeitet, sieghaft seiner Herr werden und sich in die Luft erheben wird.

Er war sich seiner Sache sicher und so hat Leonardo also an einer Maschine zu arbeiten begonnen, die nach dem Vorbild der Vögel unter Anwendung von Muskelkraft und Flügelschlägen den Menschen in die Lüfte heben sollte. Zahlreiche Zeichnungen behandeln die verschiedenen Typen seines „ornitotero„, also dieser fliegenden Vogelmaschine; einige zeigen einen horizontal ausgestreckten Mann, der mit Händen und Füßen die mit den Flügeln kombinierten Mechanismen betätigt, andere, die mit komplizierten Schraubsystemen und Antriebstechniken gesteuert werden sollen; wieder andere, die eine vertikale Position des Piloten, also stehend vorsehen, wenn er das fliegende Schiff mit Händen und Füßen mittels eines Pedalsystems bedient.

Seine Konstruktion für den Vogelapparat hat Vorbilder in der Natur: folglich studiert Leonardo die Anatomie von Vogelflügeln und analysiert Funktion und Anordnung der Federn; er beobachtet die Flugweise und registriert die Art des unterschiedlichen Flügelschlagens beim Schweben, Voranfliegen oder Landen; geht auf die gelenkigen und aus Membranen zusammengesetzten Flügel der Fledermaus ein.

Auf Grund der Ergebnisse dieser Studien entwirft er große Flügel, die dem Menschen nicht erheben sollen, man soll auch lenken können –  dank Rudern und Gelenken, die er ebenso akribisch untersucht; das alles, um mit seiner fliegenden Maschine die elegante Flugakrobatik und Flugökonomie der Vögel imitieren zu können. Bis zum Jahrhundertende hofft Leonardo da Vinci den ehrgeizigen Plan des mechanischen Fliegens in die Tat umsetzen zu können. Die nicht ausreichende Energie von Muskelkraft hätte ihm zu denken geben müssen. Gut, dass er nicht weiß, dass der erste bemannte Flug in einem Flugapparat noch bis 1783 dauern wird. In der Tat versucht er, die Muskelkraft mit Federtechnik zu ersetzen, die eventuell einen autonomen Flug hätte zur Folge haben können; allein, wegen der allzu schnellen Entladung der aufgezogenen Federmechanismen musste er scheitern.

Anfang des 16. Jahrhunderts finden wir Leonardo in der Toskana und die Jahre von 1503-1506 waren für seine Erkenntnisse des Vogelfluges gewinnbringend, so dass er bei der systematischeren Erfassung der atmosphärischen Bedingungen, ob etwa Wind vorhanden sei oder nicht, und bei der Berücksichtigung meteorologischer und aerodynamischer Zusammenhänge die alte Idee des Vogelflugapparates aufgab und sich jetzt dem „Flug ohne Flügelschlag“ widmete. Von der Beobachtung startend, das große Raubvögel sich von den Luftströmungen tragen lassen , glaubt er – wohl unter dem Eindruck der Vornehmheit und der Höhe, in der sich diese Vögel bewegen – dass so etwas auch dem Menschen möglich sein sollte: große, mit Gelenken und Verbindungsmechanismen ausgestattete Flügel erlaubten ihm, sich von diesen tragen zu lassen, um dann schließlich nach Art eines herabtorkelnden Blattes wieder zu landen.

Solche Erkenntnisse haben ihn begeistert und weiter motiviert und fanden ihr Echo in der Prophezeiung: „Seinen ersten Flug wird der große Vogel nehmen über dem Rücken des großen Cécero-Berges und das Universum mit Staunen erfüllen; erfüllt sein von seinem Ruhme werden alle Schriften und erfüllt sein von ewiger Glorie der Horst, in dem er zur Welt kam“.

Was diese Sage um Zaroastro betrifft, jenen glücklosen Erfinder eines Flugapparats über den Gipfeln des Monte Céceri bei Fiesole und den man gewöhnlich mit den Äußerungen Leonardos in Zusammenhang bringt, ist das bislang, falls man nicht das Gegenteil beweisen kann, nichts als bloße Fantasie.

Jedenfalls ist die Natur der Ausgangspunkt für die Flugexperimente und Leonardo setzt sich beharrlich für die Lösung aller auftauchenden Fragen ein, um am Ende, wie es ein namhafter Leonardokenner formulierte: „Ärologe, Ärodynamiker, Ärotechniker und Vogelflugspezialist“ zu werden. Seine anfänglichen Studien weiten sich in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts aus: „auf die Beschaffenheit und die Weite der Luft“; er konstruiert hygroskopische Instrumente, Messgeräte für Windstärke, Windrichtung, alles zur Erkenntnis der „Reaktion“ der Luft, die so schweren Vögeln wie Adlern und Geiern ermöglicht, sich in die Höhe zu schwingen. Für die Luftbeschaffenheit gelten Gesetzmäßigkeiten nicht unähnlich denen der Hydrostatik und es sei betont, dass Leonardo analoge Gesetzmäßigkeiten beim Wasser und beim Winde erkannte. Er sagt: „Diese Wissenschaft der Winde erkennen wir an Hand der Bewegungen des Wassers, und eine solche Wissenschaft gibt uns den Maßstab für das Verhalten von Flugkörpern in Luft und Wind.“

Die Winde, nach Art der Strömungen in den Flüssen, bilden Strudel und Wirbel und haben analoge dynamische, statische Gesetzmäßigkeiten. Kennt man diese, wird man letztendlich auch die Luft beherrschen. Der Fallschirm, der Helikopter und noch mehr das Segelflugzeug sind Ergebnisse seines genialen Naturverständnisses und es sind gerade solche technischen Errungenschaften, die synonym für das stehen, was wir heute unter Fortschritt verstehen.

Bitte schließen Sie die Sicherheitsgurte, ich wünsche einen angenehmen Flug!

Eure Sandra

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