Anden

Der Stein und der Schnee…

Macht und Ohnmacht eines kleinen Steinchens:

Ein kleines Steinchen rollte munter

von einem hohen Berg herunter.

Und als es durch den Schnee so rollte,

ward es viel größer als es wollte.

Da sprach der Stein mit stolzer Miene:

„Jetzt bin ich eine Schneelawine.“

Er riß im Rollen noch ein Haus und sieben große Bäume aus.

Dann rollte er ins Meer hinein

und dort versank der kleine Stein.

Joachim Ringelnatz

 

Das Märchen vom Schnee

Vor vielen, vielen Jahren hatte der Schnee keine Farbe. Darüber war er sehr unglücklich, und so machte er sich auf, eine Farbe zu suchen. Alsbald kam er auf die Wiese und bat das Gras um seine grüne Farbe. Aber das Gras lachte den Schnee aus und schickte ihn davon. Da ging der Schnee zum Veilchen und bat es, ihm seine veilchenblaue Farbe zu geben. Aber auch das Veilchen erhörte seine Bitte nicht. So ging der arme Schnee von Blume zu Blume, aber alle schickten ihn weg, keine wollte ihm ihre Farbe geben. Als er schon aufgeben wollte, traf der Schnee auf das Schneeglöckchen. Dieses hatte Mitleid mit ihm und fragte, wozu er denn die Farbe wolle. „Damit mich endlich alle sehen und vom Regen unterscheiden können“, antwortete der Schnee. Da hatte das Schneeglöckchen ein Einsehen und gab dem Schnee von seiner weißen Farbe.

Seit dieser Zeit macht der Schnee im Winter alles weiß. Die Blumen aber, die ihn verspotteten und abwiesen, lässt er erfrieren, nur das Schneeglöckchen, das verschont er – bis heute.

Eure Sandra

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