Ostern

Bräuche & Traditionen

Frohe Ostern!

Das Osterfest ist das älteste und wichtigste christliche Jahresfest. Es war von jeher von Magenknurren begleitet. In der Vormoderne war die Nahrung einseitig und karg. Es umfasst nicht nur einen Feiertag, sondern einen ganzen Festkreis, der mehr als ein Viertel des Jahres beinhaltet: Die vierzigtägige Vorbereitungszeit (Fastenzeit) dauert bis zur Abendmesse am Gründonnerstag. Gegen Ende dieser Zeit gab es erste Vorboten auf die kulinarischen Freuden: Fastenbrezel oder -beugel. In Wien haben die Bäcker ihre Fastenbrezen am Hof verkauft.

Die Fastenzeit bildet den Übergang zu den Drei österlichenTagen vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrn (Triduum sacrum). Mit dem Osterfest gab es endlich wieder überbordendes Essen. Dem Ostersonntag folgen der arbeitsfreie Ostermontag, früher eine Oktav (liturgische Festwoche) und die fünfzigtägige Freudenzeit bis Pfingsten.

Ostern ist ein bewegliches Fest. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat den Sonntag nach dem Frühlingsvollmond als Termin für den Ostersonntag bestimmt. Dieser Tag liegt immer zwischen dem 22. März und dem 25. April.

In der Osternachtsfeier wandelt sich die Trauer zur Freude. Die Christen gedenken der Auferstehung mit Halleluja, Orgelspiel und Glockenklang. Die Osternachtsfeier ist die ritenreichste in der katholischen Kirche. Die Neuordnung der Liturgie der Karwoche ist im Jahr 1955/56 erfolgt. Also schon vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, da sich im Lauf der Jahrhunderte der Zeitpunkt (Nacht von Samstag auf Sonntag) immer mehr auf den Morgen des Karsamstages verschoben hatte.

Die einzelnen Elemente der Osternachtsfeier sind historisch und geographisch verschiedener Herkunft. Sie umfassen die Lichtfeier (mit der Segnung des Feuers, der Bereitung und dem Einzug der Osterkerze und dem Lobpreis des Lichtes, Exsultet), den Wortgottesdienst (mit neun Lesungen, Psalmen und Gebeten), die Tauffeier (mit Wasserweihe und Taufbekenntnis) und die Eucharistiefeier. Auch der evangelische Gottesdienst sieht den Einzug mit der Kerze, Wechselrufe und die Austeilung des Lichtes vor, wobei die Liturgie jedoch nicht an bestimmte Riten gebunden ist.

In der Karwoche waren geistliche Schauspiele üblich, „um Leiden, Sterben und Auferstehung Jesu dem Volke sinnfällig näher zu bringen, um es zum Mitgefühle anzuregen und zur Teilnahme mit dem Gemüte zu bewegen“, wie der Musikwissenschafter Josef Mantuani (1860-1933) formuliert hat. Als Beispiele hat er Trauermette, Fußwaschung, Grablegung, Passionssingen und Auferstehungsfeier genannt. Er bezeichnete sie als „eine logische Reihe von liturgisch-dramatischen Handlungen und Gesängen, die obschon lateinisch, dem Volke verständlich waren, weil sie ihm in Predigten und Katechesen erklärt wurden.“

Easter

Dass wir am Gründonnerstag Spinat essen, basiert laut Volkskundlern auf einer Verwechslung. Der Name Gründonnerstag kommt von „greinen“ oder „grean“, was jammern oder klagen bedeutet. Farbe hin oder her, Spinat als Fastenspeise ist schon lange beliebt.

Im Mittelalter war der Gründonnerstag der sogenannte Antlasstag: Die Bauern haben ihren Zehent an die Grundbesitzer geleistet, die sie daraufhin aus der Schuld entlassen haben. Die an diesem Tag gelegten Eier haben angeblich besondere Wirkung: Sie wurden etwa gegen Unwetter in Hausnähe oder unter den am Ackerrand stehen gelassenen Garben vergraben, auf Dachböden gelegt oder übers Haus geworfen.

Die Liturgie bildete den Ausgangspunkt für Passions- und Osterspiele. Seit dem 13. Jahrhundert gibt es schriftliche Überlieferungen, für die Mantuani allein in Niederösterreich sieben Belege gefunden hat. Ein ganz besonderer Schatz ist das in der Stiftsbibliothek Klosterneuburg bewahrte Osterspiel, ein durchgehend gesungenes Musik-Drama über Jesu Tod und Auferstehung, das die Geistlichen ab etwa 1204 aufgeführt haben. Es enthält die älteste Version des Kirchenliedes „Christ ist erstanden.“

Nach Leopold Schmidt sind im Spätmittelalter in Wien und auch in den kleineren Städten des Umlandes Oster- und Passionsspiele aufgeführt worden. Veranstalter waren die Gottesleichnamsbruderschaften, welche die so genannten Ausführungen am Karfreitag und die Fronleichnamsprozession gestaltet haben. Belege finden sich dafür beispielsweise in Krems 1516/17, in Wiener Neustadt 1535 und 1583, in St. Pölten 1566.

Eine Besonderheit der österlichen Kirchenbräuche waren die Ostermärlein (Ostergelächter, Risus paschalis), meist derbe Schwänke, die der Pfarrer in die Predigt einfließen hat lassen um die Gläubigen zum Lachen zu bringen.

In der Steiermark waren sie bis vor dem Ersten Weltkrieg üblich. Das Ostergelächter „bildete nachgerade einen Bestandteil des Volksostern und gehörte als solcher, wie Gesang und Gebet, zum Ostergottesdienst.“ Während Ludwig Andreas Veit das Ostergelächter neutral beurteilte, nannte die italienische Theologin Maria Caterina Jacobelli den Risus paschalis als „schockierenden Brauch.“ Sie hatte den Briefwechsel zweier Theologen zur Reformationszeit, die zum Zeitpunkt der Niederschrift noch katholische Priester, später jedoch bekannte protestantische Prediger waren, studiert: Wolfgang Capito (1478-1541) hat in seinem Schreiben vergeblich versucht, den als strengen Prediger bekannten Johann Hausschein (Ökolampad, 1482-1531) vom Possenreißen im Ostergottesdienst zu überzeugen. Dieser hat ein für ihn abschreckendes Beispiel gebracht, wobei er betont hat, er schäme sich, „mit diesen Dingen das Papier zu beschmutzen.“, obwohl er das Ärgste ohnehin weggelassen hat. „Einer schrie immer Kuckuck, wie der gleichnamige Vogel …(ein anderer) trieb die Kommenden nach Art der Gänse durch Schnattern von sich weg. Wieder ein anderer zog einem Laien die Mönchskutte an, machte ihm dann vor, er sei nun Priester und führte ihn zum Altare. Wieder einer erzählte, mit welchen Mitteln der Apostel Petrus die Wirte um die Zeche betrogen… Nicht die Erschließung der Mysterien sei der Zweck dieser Osterpredigten, sondern lediglich die Belustigung der Zuhörer.“

Ostereier

Das Ei, als Symbol des (ewigen) Lebens, spielt zu Ostern eine große Rolle. 1615 haben Bürger aus Straßburg bemalte, gekratzte, marmorierte und goldene Eier verschenkt. In der Barock- und Biedermeierzeit hat man Spruchbänder, die man aufrollen konnte, in ausgeblasene Ostereier gesteckt. Vielfältige kunstgewerbliche Techniken haben im Lauf der Zeit ihre Anwendung beim Verzieren gefunden.

Ostereier haben Anlass für Spiele gegeben, wie zB dem Eierklauben. Im Tiroler Oberinntal haben  sich die Dorfburschen am Ostermontag von allen Bäuerinnen rohe Eier erbettelt. Am Dienstag haben sie etwa 170 Stück auf eine Wiese getragen, wo das Spiel stattgefunden hat. Auf einem mit Sand bedeckten Platz haben sie die Eier rund 1,5 m voneinander entfernt aufgelegt, wobei jedes zehnte ein gefärbtes Ei war. Unter den Blicken zahlreicher neugieriger Schaulustiger haben sich zwei Gruppen formiert. Ihre Mitglieder waren oft sehr fantasievoll gekleidet. Zu jeder Gruppe haben zwei Schnellläufer und ein Eierklauber gehört, die mit Blumen und Bändern geschmückt waren. Um sich vor Rückenschmerzen und Seitenstechen zu bewahren, haben sie geschnürte Mieder getragen. Der Herold hat das Signal zum Beginn des Wettkampfes gegeben. Während die Eierklauber Stück für Stück aufgenommen, in den Korb gelegt haben und nur drei zerbrechen durften, sind die Läufer rund 6 km nach Landeck und wieder zurückgeeilt. Meist waren sie schneller, als der Sammler seine Beute in den Korb gebracht hatte. Das bedeutete den Sieg der einen Partei, die Verlierer mussten die Kosten des folgenden Festmahls bestreiten.

Aus den slowenischen Dörfern zwischen Klagenfurt und Völkermarkt hat man Ende des 19. Jahrhunderts berichtet, dass „nach der Auferstehung die Bauernburschen mit brennenden Fackeln unter Böllerschießen von Dorf zu Dorf [ziehen]und… durch vielfältige Schwenkungen recht hübsche Lichteffecte hervor [bringen]. Da die bezeichnete Ebene mehr als hundert Ortschaften zählt und jeder Ort einen Fackelzug entsendet, kann man sich von der Wirkung des Schauspiels kaum einen rechten Begriff machen.“

Da es in der agrarischen Gesellschaft üblich war, Abgaben in natura zu entrichten, waren dies zu Ostern die Zinseier. Die Untertanen lieferten sie bei der Herrschaft ab, Klosterbrüder gingen sie einsammeln. Auch öffentliche Bedienstete wie Fährleute oder Pfarrer und Kirchendiener hatten Anspruch auf Ostereier. Andererseits gab es gefärbte und verzierte Ostereier für Kinder, Paten, als Liebes- und Verehrungsgabe. Verschiedene Techniken fanden beim Verzieren Anwendung. Die Muster hat man aus der gefärbten Schale herausgekratzt oder geätzt. Bei der Wachstechnik hat man das Ornament aus flüssigem Wachs mit einem Gänsekiel aufgetragen. Nach dem anschließenden Färben sind die abgedeckten Stellen weiß erschienen.

Im Oberen Rosental haben die Mädchen ihren Liebsten zwei rote Eier und einen Reindling (Kuchen) oder zumindest dessen Anschnitt (Scherzel) als ein Zeichen der Zuneigung geschenkt. Derjenige Bursche, der am meisten Scherzeln erhielt, galt als der „Dorfadonis“.

Seit Jahrhunderten ist es ein kirchlicher Brauch, bei der Ostermesse bestimmte Speisen zu segnen, wie Schinken, Brot, Salz und (Antlass-)Eier. In Kärnten brachten die Frauen auch große, verzierte Butterkugeln mit Osterlämmchen darauf in die Kirche. Der Mesner erhielt von jeder Bäuerin eine Wurst, der Ministrant zwei rote Eier. Nach dem Segen wollte jede Frau mit dem Weihkorb als Erste daheim sein, denn „die zuerst kommt, ist auch bei der Arbeit die Erste.“ Das Gleiche sagten die Mägde in der Steiermark.

Genießt das lange Wochenende!

Frohe Ostern!

Eure Sandra

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