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Ägypten Teil II – die Totenstädte

Liebe Reisefreunde!

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Da ich keine Gelegenheit hatte einen Friedhof zu besuchen (wo ich war gab es schlicht keinen) ein anderer Eindruck

 

 

Als Wahlwienerin ist man in meiner Arbeit immer wieder mit dem Tod konfrontiert – das morbide Wien mit der „schenen“ Leich und die Pompfüneberer sind mit dem Zentralfriedhof nur einige Beispiele dieser „schwarzen“ Facette.

Dabei hat ja jedes Volk seinen speziellen Umgang mit dem Tod, seine speziellen Riten und Gebräuche – man hat wahrscheinlich schon vom Día de los muertos in Mexiko gehört und den Festen, die damit einhergehen.

Wenn anderswo Muslime etwa ihre Verstorbenen in der Erde verscharren und das Grab namenlos mit einem Stein bedecken, so folgen die Ägypter – Moslems wie Christen – oft 5000 Jahre alten Bräuchen. Sie errichten Mausoleen und bleiben über diese Bauwerke mit ihren Toten verbunden. Im Laufe der Zeit sind ganze Stadtteile für die Toten entstanden, die sich völlig von unseren Friedhöfen unterscheiden.

Der Verstorbene hat sozusagen nur seinen Wohnsitz gewechselt. Das Leben um ihn herum geht seinen gewohnten Gang.

Auch gab bzw. gibt es den Brauch, die Nach von Donnerstag auf Freitag, besonders aber die vom 14. zum 15. des islamischen Monats Schaaban auf dem Familiengrab zu verbringen. Bei solchen Gelegenheiten herrscht reges Treiben mit fliegenden Händlern auf den Friedhöfen. Bei bestimmten Festen zieht es die ganze Familie zur Familiengruft und dort wird ein üppiges Fest zu Ehren der Verstorbenen zelebriert.

Die eigentlichen Grabstätten bestehen meist aus einem ummauerten Hof, in dem ein mit Deckel verschlossener Schacht in die Familiengruft führt. Von diesem Schacht aus werden schmale waagrechte Stollen gegraben und der Leichnam darin verschlossen. Ein Wärter, der traditionell im Friedhofsbereich mit seiner Familie wohnt, beaufsichtigt meist mehrere Grabanlagen.

Schon Mamlukkenherrscher wie die Sultane Barquq oder Barsbay ließen Wohnungen für die Bediensteten der Grab-Moscheen oder für Theologiestudenten um die Grabanlagen herum bauen.

In Kairo haben die Lebenden ganze Totenstadt-Bezirke zurückerobert; angeblich wohnen 150.000 Menschen auf den Friedhöfen. Wo immer eine Familiengruft nicht mehr beaufsichtigt wird, lässt man sich in Innenhöfen nieder, respektiert aber weiterhin das eigentliche Grab. In den Fällen, in denen Anverwandte überraschend wieder auftauchen, macht man bei Festen bereitwillig Platz und begeht sie gemeinsam mit den Grabeigentümern. Die Besiedlung hat schon so lang Tradition, dass die Stadtverwaltung Wasser- und Elektrizitätsversorgung auf den Friedhöfen installiert hat…

Für besonders Interessierte:

Das Totenfest

„Die Wohlhabenden bauen Häuser um ihre Familigengrüfte, in denen sie an hohen Festtagen weilen und der Toten gedenken. In dieser Nacht (Vollmondnacht des Totenfestes) saßen die schwarzen Frauen vielfach unverschleiert auf den Gräbern, damit sie von dem verstorbenen Gatten gut gesehen werden können, es ist das einzige Mal, daß (sic!) das Ablegen des Schleiers außerhalb des Hauses von der Religion gestattet wird. Die Gräber, die ja nur Mauerwerk sind, das niemals mit Blumen geschmückt wird, zeigen je einen Pfeiler am Kopf- und Fußende. Auf diesen Pfeilern lassen sich nachts die beiden Frage-Engel nieder, Munkar und Nakir, sie fragen dem Toten das Glaubensbekenntnis ab, das jeder Gläubige nach Mohammeds Gebot fünfmal am Tag in der Richtung nach Mekka sprechen muß (sic!), es besteht also keine Gefahr, daß (sic!) der Tote es nicht kennt. Sollte er es aber dennoch nicht aufzusagen wissen, so kommt Iblis, der oberste Teufel, und wie es dem armen Toten dann ergeht, kann man sich denken…“ (Hans Bethge, 1926)

 

 

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